Menschen ohne Obdach (MOO-Projekt)
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Das MOO-Projekt

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Am Anfang stand eine Idee: Jugendliche und Menschen von der Stra├če, die am Rande der Gesellschaft stehen, zusammenbringen. Menschen einander begegnen lassen, die in verschiedenen Welten leben. Vorurteile ├╝berwinden, f├╝r den anderen da sein. Ein Projekt sollte entstehen, dass im Rahmen kirchlicher Jugendarbeit neue Wege beschreitet, das junge Menschen f├╝r Bed├╝rftige sensibilisiert und ihnen M├Âglichkeiten er├Âffnet, sich ehrenamtlich sinnvoll zu bet├Ątigen. Gleichzeitig sollte MOO eine Jugendgruppe mit viel Spa├č untereinander und netten Aktionen werden. Heute ist diese Idee Realit├Ąt geworden: nach nunmehr zw├Âlf Jahren des Bestehens des MOO-Projektes k├Ânnen wir auf ├╝ber 150 Jugendliche und noch einmal soviele Konfirmanden zur├╝ckblicken, die in langfristigen oder punktuellen Kontakt mit Wohnungslosen und den ├ärmsten unserer Stadt gekommen sind. Sie alle haben Erfahrungen gesammelt, die sie mit Sicherheit nicht vergessen werden. Sie sind so Multiplikatoren in Schule, Familie und Freundeskreis, die erlebt haben, dass der vermeintliche "Penner" auch ein ganz normaler Mensch mit Tr├Ąumen, mit Ideen und einer Geschichte ist. Die von dem Erlebten weitererz├Ąhlen und so mithelfen, unsere Welt etwas (mit-)menschlicher zu machen. Mit MOO ist ein in Deutschland einmaliges Projekt diakonischer Jugendarbeit entstanden, das 2011 von der Rotary-Stiftung zu L├╝beck mit dem F├Ârderpreis f├╝r "beispielhaftes jugendliches Ehrenamt" ausgezeichnet wurde. Welches Konzept steckt hinter MOO? MOO steht f├╝r Menschen ohne Obdach, ein Jugendprojekt der ev.-luth. Kirchengemeinde in St. J├╝rgen in Kooperation mit der Vorwerker Diakonie, das es bereits seit M├Ąrz 2006 gibt. Insgesamt 17 Jugendliche bzw. Jungerwachsene aus St. J├╝rgen von 14 - 24 Jahren sind im sozial-diakonischen Bereich der Wohnungslosenhilfe ehrenamtlich t├Ątig. Fr├╝her zweimal im Monat, nun an jedem Montag trifft sich das Jugendteam zum sogenannten "Montagstreff" in der Zentralen Beratungsstelle f├╝r M├Ąnner in Notlagen (ZBS) der Vorwerker Diakonie, Wahmstr. 60. Dort wird unter der Leitung von MOO-Initiator Udo Blankenstein, zust├Ąndig in St. J├╝rgen f├╝r die Kinder- und Jugendarbeit, von den MOO-Teamern ein leckeres Essen zubereitet. Neben dem Aspekt der frischen und gesunden Zubereitung einer Mahlzeit - abseits von Tiefk├╝hl- und Fertigprodukten - ist f├╝r die Heranwachsenden auch das Erlernen von Kompetenzen beim Kochen und in der K├╝che im MOO-Konzept von gro├čer Wichtigkeit. Flexibilit├Ąt und Teamwork werden ebenso gro├č geschrieben. Gemeinsam wird dann mit den zwischen 25 und 40 G├Ąsten des Montagstreffs das Essen begonnen. Ein MOO-Teamer er├Âffnet das Essen mit einer kurzen Ansprache an die Besucher. Danach geben die Jugendlichen am Tresen der Eingangshalle das kostenlose Essen und Wasser bzw. Kaffee oder Tee als Getr├Ąnk aus.

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Bei Tisch ergeben sich weitere Gespr├Ąche untereinander. Die Wahrnehmung der jeweils unterschiedlichen Lebenswelten beeindruckt Jugendliche sowie Hilfesuchende gleicherma├čen, mit dem Resultat, dass trotz aller Verschiedenheit das Gemeinsame entdeckt wird. Teamerin Sharleen hat als Konfirmandin einmal bei testweise mitgemacht und ist sofort dabeigeblieben und nunmehr seit 2015 bei MOO im Team. Sie sagt:"Wenn ich fr├╝her Menschen auf der Stra├če sitzen gesehen habe, habe ich sie nicht beachtet und mir keine Gedanken dar├╝ber gemacht, warum und wieso sie da sitzen, was mit ihnen los ist. Mittlerweile wei├č ich, warum Menschen, wie unsere Besucher im Projekt, auf der Stra├če leben. Es gibt ja immer auch ganz spezielle Gr├╝nde daf├╝r und es ist sehr interessant, dar├╝ber etwas zu erfahren. Jetzt sorge ich mich mehr um diese Menschen als fr├╝her, da hat sich meine Haltung komplett ge├Ąndert." In diesem Jugendprojekt m├╝ssen keine Themen k├╝nstlich aufbereitet werden, die Fragen an das Leben und den Sinn dahinter, Fragen, die jeden Heranwachsenden besch├Ąftigen, stellen sich im MOO-Projekt durch die Begegnung mit Menschen, die die Schattenseiten im Leben nur zu gut kennen. Und auch der Tod einiger Stammg├Ąste, oft verursacht durch ├╝berm├Ą├čigen Alkohol- und Drogenkonsum, hat neben der Trauer und Best├╝rzung im Team auch viele Gespr├Ąche ├╝ber Leben und Tod, ├╝ber Drogen und den Umgang mit traurigen Tagen gef├╝hrt.

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Besondere Unternehmungen in all den Jahren wie Wochenend-Fahrradtouren, der Besuch des Gef├Ąngnisses in L├╝beck (in dem manch einer unserer Besucher schon des ├ľfteren war), Theater- und Museenbesuche mit wohnungslosen Menschen, gemeinsames Bowlen u.├Ą. vertiefen die bereits gedeihenden Kontakte. Ein einmal im Jahr stattfindender Supervisionstag unter professioneller Anleitung dient den Jugendlichen des Projektes dazu, ihre Erlebnisse zu reflektieren, eigene ├ängste oder Probleme wahrzunehmen und an der L├Âsung zu arbeiten. In regelm├Ą├čigen Abst├Ąnden kommt das MOO-Team in den Jugendr├Ąumen der St.-J├╝rgen-Gemeinde zusammen, um Erlebtes zu reflektieren, aber auch, um sich als Gruppe auszutauschen und n├Ąher kennen zu lernen.

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Seit September 2008 wird der Montagstreff auch von Konfirmanden der St.-J├╝rgen-Gemeinde freiwillig besucht und unterst├╝tzt. Die 13-14j├Ąhrigen profitieren dabei ebenfalls von den positiven Erfahrungen und werden behutsam an die Themenfelder "Armut", "Wohnungslosigkeit" und "Diakonische Arbeit" herangef├╝hrt. Jeweils ein erfahrener MOO-Teamer k├╝mmert sich um einen Konfirmanden, beantwortet Fragen, stellt Kontakte zu den Besuchern her und ist so Vorbild f├╝r unsere j├╝ngeren Hilfskr├Ąfte. Die Pr├Âpstin des Kirchenkreises L├╝beck Petra Kallies war im Januar 2010 im "Montagstreff" anwesend und zeigte sich hinterher erfreut von dem Engagement und der Gemeinschaft im Team der Jugendlichen. "Das MOO-Projekt ist wirklich ein zukunftsweisendes und beispielhaftes Projekt kirchlicher Jugendarbeit", konstatierte die Pr├Âpstin. Auch von h├Âchster Nordkirchen-Stelle kamen lobende Worte: Bisch├Âffin Kirsten Fehrs bemerkte Anfang 2013, sie sei "schwer begeistert von der Aktion des MOO-Projektes", das sie aus der Ferne interessiert beobachte. Anfang 2013 wurde auch der NDR (Norddeutscher Rundfunk) auf das MOO-Projekt aufmerksam. Nach einem Beitrag auf NDR 1 - Welle Nord (zu h├Ąren unter "Flie├čende Worte" auf dieser Homepage), kam auch ein Fernseh-Team des "Schleswig-Holstein-Magazins" in den Jahren 2013 und 2015 vorbei und filmte und interviewte die MOO-Teamer, Montagtreff-Besucher und Bewohner des Bodelschwingh-Heimes. Zu sehen ist der dreimin├╝tige Beitrag von 2015 auf dieser Seite unter "Laufende Bilder".

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Zur finanziellen Unterst├╝tzung des Projektes gibt es einmal im Jahr im September im Au├čengel├Ąnde der St. J├╝rgen-Gemeinde einen MOO-Flohmarkt mit Kaffee- und Kuchentafel Benefiz-Live-Musik, u .a. durch die L├╝becker Band "Point Blue" und die Jugend-Band "Sunset in Heaven" (s. Foto). Des Weiteren bekommen wir immer wieder Unterst├╝tzung von L├╝becker Schulen: die Grund- und Gemeinschaftsschule St. J├╝rgen beispielweise organisierte mehrfach im Rahmen des Religionsunterrichts einen "MOO-Benefiz-Kuchen-und-Br├Âtchen-Verkauf" in der Schule. Zudem kommen allj├Ąhrlich f├╝nf 7. Klassen der Schule in die Jugendr├Ąume in St. J├╝rgen, wo Projektleiter Udo Blankenstein und Teamer ├╝ber das Thema Obdachlosigkeit und MOO informieren. Oder die Sozial-AG des Katharineums verkaufte selbstgebackenen Kuchen und spendete den Erl├Âs. In einem weiteren Schritt werden Wohnungslose und Jugendliche gemeinsam Apfelb├Ąume aus Privatg├Ąrten oder Institutionen abernten, Saft in einer Mosterei pressen lassen und f├╝r unser Projekt verkaufen. Unterst├╝tzen auch sie das MOO-Projekt mit ihrer Spende auf die unter "Spendenkonto" aufgef├╝hrten Bankverbindungen. Vielen herzlichen Dank f├╝r ihre Unterst├╝tzung unserer Jugend- und Wohnungslosen-Arbeit!