Menschen ohne Obdach (MOO-Projekt)
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Zeitlos dabei: Bernd

Zeitlos dabei: Bernd

Das war mein Weg. Und jetzt, und hier ist das Ende meines Weges. Der letzte Vorhang f├Ąllt f├╝r mich. Und ich ruf euch zum Abschied zu: "Vergesst zu leben nicht! Macht es gut in eurem Leben!" Das war mein Weg, ich lebte gern, ich lebte gut. Irrwege ging ich auch, verlief mich in Sackgassen, fand doch meinen Weg. Auf meine Weise lebte ich, I did it my way. Ich bereue so Manches, bedauere Vieles, doch der letzte Vorhang f├Ąllt, ich gehe in Frieden. Denn ich ging meinen Weg, Das war mein Leben. Ja, es gab so manche Zeit, da habe ich mir viel zugetraut, auch mehr, als ich schaffen konnte, ich fiel fast unter dieser Last. Ich biss mich durch, ging meinen Weg, I did it my way. Ich hab geliebt, gelacht, geweint, das war mein Leben. Ich hab gewonnen und verloren. Der Vorhang f├Ąllt, die Tr├Ąnen sind vergessen. Nun, da ich geh, f├╝r immer geh. Mit einem L├Ącheln auf den Lippen... Bernd, du sagtest immer, das MOO-Projekt, die positive Einbindung in unsere Gruppe, habe dich wieder aufstehen lassen, als alles vor├╝ber schien. Ich traf dich vor Jahren das erste Mal beim MOO-Kicken am Brink auf dem Bolzplatz. Der neue Bo-Heim-Bewohner war mir sofort sympathisch, offen, ehrlich, nett. Du bist zum Montagstreff, zu unseren Treffen in St. J├╝rgen und zu den Fahrradtouren nach Beckerwitz mitgekommen, hast bei den Flohm├Ąrkten geholfen, warst immer da, wenn wir Unterst├╝tzung und Hilfe brauchten, im Projekt wie auch privat. Sicherlich konntest du auch manchmal mehr als brummig sein, aber wir wussten immer: du hast das Herz am rechten Fleck. Du bekamst neuen Mut, hast wieder eine eigene Wohnung bezogen, wo wir als Team dich gleich besuchten. Du hast wieder Kontakt zu deinem kleinen Sohn aufgebaut, du warst Ein-Euro-Jobber in der ZBS, dann im Nachtdienst im Bo-Heim t├Ątig und hast schlie├člich noch eine halbe Stelle f├╝r Hausmeistert├Ątigkeiten durch deinen Flei├č und deine Zuverl├Ąssigkeit erhalten. Du hast dich aus der Obdachlosigkeit und einem Leben ohne Ziel befreit und bist neu durchgestartet. Du warst der Prototyp f├╝r die Teamer, die an deinem Weg ablesen konnten, dass es sehr wohl einen Weg aus der Misere gibt. Nebenbei warst du immer ehrenamtlich beim Montagstreff t├Ątig, wolltest "etwas zur├╝ckgeben" - wie du es nanntest. "Ohne die jungen Leute, die mir wieder Mut gegeben haben, h├Ątte ich das alles nicht gepackt..." Wenn Schulklassen in die St. J├╝rgen-Gemeinde kamen, und sich ├╝ber das MOO-Projekt informieren wollten, warst du sofort freiwillig zur Stelle, den jungen Menschen aus deinem bewegten Leben zu erz├Ąhlen. Zum Jahreswechsel 2013 beschwerten dich gesundheitliche Probleme, der Erfolg deines neuen Lebensweges bekam auf einmal viele Fragezeichen... Im M├Ąrz 2013 bist du dann in der Stadt urpl├Âtzlich zusammengebrochen, der Notarzt konnte dich zwar wiederbeleben, aber es gab keine gute Prognose f├╝r dich. Am Donnerstag, 14.3.2013, war ich bei dir auf der Intensivstation in der Uni-Klinik, ich war bei dir und habe in den letzten Minuten deine Hand gehalten. Um 19.07 Uhr bist du dann gestorben, ganz friedlich und sanft. Bernd, wir werden dich nicht vergessen! Udo (Blankenstein, Projektleiter MOO)